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Die Leiden des jungen Werther – Ein Sturz ins Unglück in Club-Atmosphäre

04.02.2019

Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe? Was eine Zauberlaterne ist ohne Licht! Kaum bringst du das Lämpchen hinein, scheinen dir die buntesten Bilder an deine weiße Wand.

Die Leiden des jungen Werther hat Johann Wolfgang Goethe 1774 verfasst und ist zu einem europäischen Erfolgsroman geworden. Sein autobiografisch geprägter Roman ist in Briefform geschrieben und handelt von dem jungen Rechtspraktikanten Werther. Vor gut drei Jahren war am Jungen Schauspiel zuletzt der "Werther" für die Bühne inszeniert worden. Nun hat sich der Regieassistent des Jungen Schauspiels Fabian Rosonsky diesen Roman vorgenommen, eine eigene Fassung erarbeitet und diese als mobiles Theaterstück inszeniert. In Kooperation mit dem Goethe-Museum zieht die Inszenierung fortan auf Einladung in Freizeitstätten und Schulen ein. Premiere war am 3. Februar in der Jugendfreizeiteinrichtung Icklack in Düsseldorf-Flingern.

Der junge Rechtspraktikant Werther hat seine Heimat verlassen und ist auf Reisen. Als er in das Dorf "Wahlheim" einkehrt, lässt er sich dort nieder. Auf dem Dorf-Ball lernt er schließlich Lotte kennen, eine hübsche junge Frau, die mit ihren acht Geschwistern und ihrem verwitweten Vater in dem Dorf lebt. Man hat Werther zwar zuvor gewarnt, dass Lotte so gut wie verlobt sei, aber das ändert nichts an dem, was sie in ihm auslöst. Denn er verliebt sich Hals über Kopf in sie und blendet alles weitere vollständig aus. Nie zuvor hat er Ähnliches gefühlt, ein "Glücksstrom", der seinen kompletten Körper durchzieht. Doch Werthers Gefühlsrausch wird ausgebremst, als Lottes Verlobter Albert von einer Geschäftsreise nachhause zurückkehrt. Ein Dreiecksverhältnis entsteht, das Werther irgendwann nicht mehr erträgt und aus dem Dorf flieht. Doch auch woanders wird er nicht glücklich und die Liebe lässt ihn nicht mehr los. Also kehrt er auf Umwegen nach Wahlheim zurück und beginnt Lotte, die inzwischen mit Albert verheiratet ist, wieder regelmäßig zu besuchen. Die Gefühle kochen in Werther wieder hoch. Als er schließlich von Lotte eine letzte Abfuhr erteilt bekommt, wird ihm klar, dass er mit seinem Verhalten vor allem Lottes Ehre im Dorf und ihrer Ehe zu Albert schadet. In einem letzten Brief verabschiedet er sich von seiner Liebe und erschießt sich letztendlich mit einer Pistole, die er von Albert ausgeliehen hat. Am nächsten Morgen wird er tot aufgefunden.

Fabian Rosonsky hat sich in seiner Inszenierung gegen einen (naheliegenden) Monolog-Abend entschieden und stattdessen ein Spiel mit drei Darsteller*innen kreiert. Neben dem Ensemblemitglied des Jungen Schauspiels Eduard Lind (In der Titelrolle "Werther") stehen dabei die beiden Schauspielstudent*innen Davina Donaldson (Lotte) und Moritz Otto (Albert, u.a.) von der "Schauspielschule der Keller" aus Köln auf der Bühne. Gespielt wird in einer Arena (Ausstattung: Sarah Methner), die eine besondere Herausforderung für die Schauspieler*innen darstellt, da diese in alle Richtungen spielen müssen, um das Publikums ringsherum zu erreichen. Die Arena hat vier Türbögen als Zugänge, die oberhalb durch Lichterketten miteinander verbunden sind. Durch verschiedene Lichtstimmungen und Türverkleidungen entstehen immer wieder neue Orte und Atmosphären. Dazu trägt auch die wunderbare Musik von Matts Johan Leenders bei, die so einen romantischen Spaziergang wie auch eine dröhnende Club-Atmosphäre untermalt. 

Aber nicht nur das Drumherum, sondern auch der Text besticht durch eine ausgezeichnete Qualität, die vor Kompaktheit strotzt. Rosonsky erzählt den Werther in einer knackigen Stunde ohne Pause und lässt dabei, vor allem durch das hohe Spieltempo, den Werther rasant auf- und dann gnadenlos in die Krise absteigen. Da konnte der Zuschauer gerade noch verschmitzt lachen ehe er Werther dabei zusehen muss, wie er sich in sein tiefstes Unglück stürzt. Es ist schöne Bilder, die auf der Rundbühne enstehen. Bilder, nicht von gestern sondern von heute. Ein verzweifelter Werther, der im Club bei dröhnender Musik die Birne freikriegen will, sich ablenken will mit einem neuen Mädchen. Oder auch Werthers Geburtstagsabend, den er mit Lotte und Albert in einer Karaoke-Bar laut besingt. Das sind Eindrücke, mit denen Jugendlichen sicher etwas anfangen können. Das lässt sie die Geschichte mehr spüren als die Tatsache, dass es sich hierbei um einen alten Goethe-Text handelt. Das kann ja durchaus für junge Menschen erstmal abschreckend wirken. Eine raffinierte und kluge Strategie, die beim Zielpublikum sicher gut funktionieren wird. Das lässt sich am Premieren-Abend leider nicht beurteilen, die jugendliche Zielgruppe (Empfehlung ab 14 Jahren) ist nämlich leider chronisch unterrepräsentiert. Nichtsdestotrotz beweist der Theaterabend, dass er altersübergreifend bestens ankommt. Ungewöhnlich, aber absolut zurecht, langer Applaus für die Spielerinnen und Spieler und das künstlerische Team. Eine erfolgreiche Debütinszenierung von Regisseur Fabian Rosonsky!

***Noch mehr #Theatertipps findet ihr auf youpod.de/theater.***

von Marvin

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