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Peer Gynt – Düsseldorfer Jugendliche auf der Suche nach sich selbst

17.12.2018

Ihr müsst euch vorstellen, dass wir noch viel mehr sind.
Ihr müsst euch vorstellen, dass wir ganz viel erzählen werden.
Ihr müsst euch vorstellen, dass wir das gerade zum ersten Mal sagen.
Ihr müsst euch vorstellen, dass wir lügen werden.
Ihr müsst euch vorstellen, dass wir es manchmal selbst nicht wissen.

Der Bühnenraum ist abgedunkelt, der Zuschauersaal noch vom Einlass belichtet. Gespannt wartet das Publikum auf den Beginn des Premierenabends. Man unterhält sich noch, schaut umher. Dann kommen zehn Jugendliche aus einer Türe ganz oben von den Zuschauerrängen, stapfen die Treppen herunter, stellen sich in die Zwischenräume der Sitzreihen. Sie suchen die Blicke und schwören das Publikum ein: "Ihr müsst euch vorstellen, dass ...". Dann zählen die Jugendlichen von 10 auf 0 runter und die wilde Fahrt rund um Ibsens suchenden und reisenden Peer Gynt beginnt.

16. Dezember 2018. Im Düsseldorfer Schauspielhaus steht die letzte Premiere des Jahres auf dem Programm. Die Bürgerbühne präsentiert dabei ihre neueste Produktion und widmet sich mit Düsseldorfer Jugendlichen, zehn an der Zahl, dem Henrik Ibsen Klassiker Peer Gynt. "Düsseldorfer Jugendliche stapeln hoch und setzen alles auf eine Karte" heißt es so im Untertitel zur Theaterproduktion. Gemeinsam begeben sie sich mit Peer Gynt auf eine Reise nach sich selbst und kommen immer wieder an ihre Grenzen: "Wie soll ich ich selbst sein, wenn andere Menschen von mir erwarten, dass ich so oder so sein soll.". Es wird imaginiert, gelogen und erfunden, gesegelt, gerungen und geküsst. Und am Ende riskieren sie alles, sind ganz sie selbst und erfüllen sich ihre kühnsten Träume. 

Peer Gynt wächst als Sohn eines Bauers in einem Dorf in Norwegen auf. Aufgrund der prekären Situation, in der er lebt, flüchtet er sich in Tagträume, Fantasien und Lügengeschichten. Ein Hochstapler, der nichts geringeres als Kaiser der Welt werden möchte. So begibt er sich auf eine Reise, die auf einer Hochzeit beginnt und über Meere, Wälder und Wüsten, dann am Ende seines Lebens doch da endet, wo sie begonnen hat. Zuhause. 

Nach Ein Sommernachtstraum und Frühlings Erwachen ist Peer Gynt bereits die dritte Bürgerbühnen-Produktion mit Düsseldorfer Jugendlichen. Nach Joanna Praml, die die beiden ersten Produktionen inszeniert hat, führte nun Felix Krakau Regie, der am Düsseldorfer Schauspielhaus bereits Jeff Koons in Ko-Regie inszenierte. Unterstützt wurde er dabei von der Dramaturgin Dorle Trachternach, die ebenfalls mit Joanna Praml zusammengearbeitet hat. Das Konzept der Inszenierung ist somit auch mit den vorhergehenden Abenden identisch: Ein Theaterstoff wird geöffnet, die Themen, Motive und Figuren herausgezogen und mit den Jugendlichen und ihren Geschichten, Merkmalen und Charakteren verwoben. Es entsteht ein mehrebeniges Spiel-im-Spiel. Und auch dieses Mal wieder durchaus gelungen. Der Ibsen-Text, der von der Vorstellungskraft und dem "Was ist wahr, was ist Lüge?" lebt, wird nahtlos auf die Bühne gebracht. Das Bühnenbild besteht aus einem mobilen Metallgerüst mit mehreren Ebenen, auf dem die Jugendlichen spielen. Der Zuschauer muss sich viel selber vorstellen, wird aber immer wieder von kleineren Requisiten und Kostümwechseln in seiner Imaginationskraft unterstützt. Mit einem starken Beginn und einem furiosen Finale stimmt die vom künstlerischen Team gezogene Klammer grandios. Es entsteht ein kurzweiliger, rund 75 Minuten langer Abend, der vor allem eines tut: Er unterhält. Es macht Spaß den Jugendlichen dabei zu zu sehen, wie sie voller Spielfreude die Bühne für sich und ihre Geschichten einnehmen. Die Schwäche des Abends liegt dabei aber auch offen, denn die Darsteller_innen bleiben mit ihrem Spiel sehr bei sich. Der Abend berührt einen nicht und regt auch nicht zum Nachdenken an oder schickt einen mit einer bestimmten Message nach Hause. Man geht unverändert aus dem Abend wieder raus. Und darin unterscheidet er sich sehr von den anderen Bürgerbühnen-Produktionen mit Jugendlichen. Es kommt halt ganz auf den Anspruch des Zuschauers an. 

Mit einem furiosen Finale schließt der Abend so treffsicher wie er begonnen hat und sorgt, wohl vor allem damit, für einen langen Applaus und Ovationen für das zehn-köpfige Ensemble. 

von Marvin

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