Früher ging es ja schon im August los mit den Adventskalendern und Spekulatius in den Supermärkten. Das ist heute zwar noch immer so, aber ein weiteres jahreszeitliches Großereignis bricht seit einiger Zeit regelmäßig über uns herein: Halloween!
Wohin man schaut, überall Kürbisse, Kürbisse, Kürbisse, dazu noch massenweise Gespenster und Totenköpfe. Außerdem jede Menge bizarrer Gruselideen. Komisch, bis vor ein paar Jahren gab es im Herbst bei uns nur das schöne alte Erntedankfest. Halloween kannte man aus amerikanischen Filmen. Das lässt sich ändern, und das lässt sich vor allem zu Geld machen, hat sich die Werbeindustrie gedacht. Und sie sollte Recht behalten: Von Halloween-Lichterketten über Halloween-Limonade bis zu Halloween-Klingeltönen fürs Handy gibt es ALLES. Ohne große Mühe könnte man seinen kompletten Tagesablauf ausschließlich mit Halloween-Produkten verbringen.
Wer hat sich das eigentlich ausgedacht?
Der Name “Halloween” ist entstanden, als jemand den englischen Begriff “All Hallows’ Evening” ( = der Abend vor Allerheiligen) vor sich hin genuschelt hat. Das dazugehörige Fest gibt es allerdings unter anderem Namen schon länger.
Tatsächlich haben bereits die Kelten die letzte Nacht im Oktober gefeiert – eine Mischung aus Erntedankfest und Silvester, weil jeweils am 1. November das keltische Jahr begann. Außerdem glaubte man, dass in dieser Nacht die Toten den Lebendigen einen Besuch abstatten – quasi mal auf eine Tasse Kaffee vorbei schauen. Weil das Papst Gregor im 9. Jahrhundert entschieden zu viel Kontakt mit den Toten war, die ja auf der Erde nichts mehr zu suchen hatten, erfand er den Feiertag Allerheiligen. An diesem Tag soll man bis heute lediglich an die Toten denken, man wird aber nicht besucht.
Vielerorts konnte der heidnische Glaube an die Totenbesuche nicht ausgerottet werden. Und weil alles, was mit Toten zu tun hat, irgendwie Furcht einflößend ist, hat man z. B. in Irland Rüben ausgehölt und Kerzen reingestellt, um die Geister abzuschrecken. Außerdem ging man von Haus zu Haus, um nicht alleine sein zu müssen. Diesen Brauch nahmen viele Iren mit, als sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind. Dort gab’s dann statt Rüben Kürbisse. Und der Besuch bei den Nachbarn wurde für die Kinder zum Betteln um Süßigkeiten.
Die volle Produktpackung
Mit der Hilfe von Werbeprofis und dem vollen Einsatz der Verpackungs- und Dekorationsindustrie ist in Amerika aus Halloween ein (Alp-)Traum der Kürbisse geworden. Und wie alles, womit man Geld machen kann, hat Halloween auch Einzug in deutsche Supermärkte und Kaufhäuser gehalten. Nach kurzer Zeit gab es die ersten Halloween-Partys, Halloween-Verkleidungen, Halloween-Limo, Halloween-Federmäppchen, Halloween-Haartönung, Halloween-Fertiggerichte, Halloween-Nagellack, Halloween-Unterwäsche, Halloween-Marmelade (mit Kürbis), Halloween-Bier und Halloween-Haarspangen. Und schwupps, ist Halloween lifestyle- und partymäßig kaum mehr wegzudenken! Schätzungen zum jährlichen Umsatz mit Halloween-Produkten in Deutschland liegen stets im dreistelligen Millionenbereich. Da hat sich wohl schon so mancher einen goldenen Kürbis verdient!
Natürlich sollte man sich nicht den Spaß an dem Gruselfest verderben lassen. Aber man muss schon aufpassen, dass man nicht jeden Schnickschnack kauft, nur weil ein grinsender Kürbis drauf ist.
Dieser Artikel stammt vom Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale NRW, checked4you.