Die Vortragsreihe “Düsseldorfer Reden ” im Central des Düsseldorfer Schauspielhauses ist ein Kooperationsprodukt des Düsseldorfer Schauspielhaus mit der Rheinischen Post Mediengruppe. Die Testphase im Frühjahr 2017 hat diese Reihe erfolgreich überstanden, sodass es in diesem Jahr fortgesetzt wurde. Bei der nun achten Veranstaltung am vergangenen Sonntag-Morgen war Kolumnist und Autor Axel Hacke zu Gast. Sein Thema: “Wo bleibt der Anstand?”. Ein Gedankengang zu einer Zeit, in der “ein Ozean von Unanständigkeit tobt”, wie Axel Hacke meint. Eine grandiose Veranstaltung, die zum Nachdenken anregt mit einem Redner, der es über Jahre hinweg geschafft hat, “die Welt aufzuschreiben”, wie Chefdramaturg des Düsseldorfer Schauspielhauses Robert Koall in seiner Begrüßungsrede richtig feststellt.
Zu erst einmal ein paar Worte zu Axel Hacke: der deutsche Journalist und Schriftsteller wurde 1956 in Braunschweig geboren. Bekannt wurde er durch seine Redakteurstätigkeit bei der Süddeutschen Zeitung (kurz: SZ), für die er zahlreiche Kolumnen und Reportagen verfasste. Seit der Jahrtausendwende ist er freiberuflich tätig und verfasste Bestseller, wie “Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen” oder “Die Tage, die ich mit Gott verbrachte”. Über Erstes wird es in seiner Rede gehen und letzteres wird derzeit im Central auf der kleinen Bühne als Theaterinszenierung gezeigt. Eine grandiose Inszenierung, die seit Beginn an regelmäßig vor ausverkauftem Hause spielt. Salopp gesagt, also ein Mann, der das Schreiben wirklich drauf hat und mit seinen klug überlegten Gedankengängen inspiriert und begeistert.
Nun aber zu seiner Rede: Axel Hacke spricht über den Anstand und gibt gleich zu Beginn seiner Rede zu verstehen, dass es hierbei nicht darum geht, mit erhobenem Zeigefinger appellieren zu wollen, sondern über das menschliche Miteinander und die Folgen der Verrohung der Gesellschaft reden zu wollen. “Es tobt ein Ozean voll Unanständigkeit um die Welt” – dafür hat er zahlreiche Beispiele, die er dem Publikum an die Hand gibt: allem voran Donald Trump und sein jüngstes Verhalten gegenüber einem behinderten Journalisten, den er nachäfft. Oder der raue Ton und die Shitstorms, die in den sozialen Netzwerken auf Menschen einprasseln. Oder der aggressive Mob gegen einen ankommenden Flüchtlingsbus in Sachsen vor einem Jahr. Der Ton in der Gesellschaft, im menschlichen Miteinander ist rauer geworden.
“[…] und dem muss man Einhalt gebieten”, predigt Axel Hacke an diesem Sonntag-Morgen. Die Frage nach der Definition von Anstand sei schwierig. Es ginge um den Umgang untereinander, nicht nur Fremden gegenüber, sondern allen gegenüber. Die Frage des Anstandes sei auch immer zugleich die Frage nach der Art des Zusammenlebens. Und das schöne beim Handeln mit Anstand sei es, dass nicht nur das Gegenüber davon profitiere, sondern es einem selber auch zugleich immer nützt. Er schließt seine Rede mit den Worten: Anstand ist eine Sache von uns allen, eine Sache für die es sich zu kämpfen lohnt.
Den Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe macht am 6. Mai um 11 Uhr die Kommunikationswissenschaftlerin und Publizistin Miriam Meckel unter dem Titel “Die Vermessung des Gehirns: Was bleibt von uns in Zeiten von Brainhacking und Neurokapitalismus?”. Karten sind online und an den bekannten VVK-Stellen für Schüler/Studenten/Auszubildende für 7 Euro erhältlich. Mehr Informationen gibt es hier.