Die vegane Ernährung und Lebensweise breitet sich aus – in Deutschland und weltweit. Aber warum eigentlich? Autorin Juliane Stueben schaute sich in einem Journalismus-Kurs an der Lore-Lorentz-Schule die Fakten an und gibt Tipps.

98 Prozent des verzehrten Fleischs in Deutschland stammt aus Massentierhaltung.

In der Massentierhaltung werden jährlich 72 Milliarden Landtiere für den Verzehr geschlachtet. Im Vergleich dazu: 2020 gab es 7,8 Milliarden Menschen auf der Welt.

In der Massentierhaltung werden die Tiere unter entwürdigenden Bedingungen gehalten; auf viel zu kleinem Raum mit dem einzigen Ziel, so schnell wie möglich schlachtbereit zu sein. Die Tiere haben keine Möglichkeit, ein gesundes Sozialverhalten zu haben, viele von ihnen sehen nie den Himmel, geschweige denn ihren natürlichen Lebensraum. Durch die unhygienische Haltungsweise gibt es viele Krankheitsfälle, welche mit Massen von Antibiotikum behandelt werden.

Diese können zu resistenten Keimen im Fleisch führen, die beim Verzehr unseren Körper belasten können.

Sowohl Stresshormone als auch Emotionen wie Angst, Hoffnungslosigkeit und Panik, welche das Tier vor allem bei der oft brutalen Schlachtung durchlebt, werden in seinem Fleisch gespeichert und durch dessen Konsum in den menschlichen Körper aufgenommen. Eine Metaanalyse aus 2020 ergab, dass ein erhöhter Konsum von verarbeitetem und rotem Fleisch zu Depressionen führen kann.

Wer jetzt denkt, dass es die Nutztiere für Milch und Eier besser haben, der muss sich auf eine Enttäuschung einstellen. Sie werden nämlich ähnlich gehalten – mit dem Unterschied, dass sie über einen viel längeren Zeitraum zu einem überfordernden Maße ausgebeutet werden bevor sie zum Schlachter kommen.

Als Beispiel die Realität in der Milchindustrie: In Deutschland leben etwa vier Millionen Milchkühe. Eigentlich geben Kühe ihrem Kalb nur vier Liter pro Tag, doch domestizierte Rassen sind darauf gezüchtet worden bis zu 50 Liter pro Tag zu produzieren, obwohl dieser extreme Kraftakt selbst bei den überzüchteten Arten viele gesundheitliche Folgen hat. Ab dem 15. Monat wird die eine Kuh das erste Mal besamt und ist fortan fast ununterbrochen trächtig, denn sie werden schon einige Wochen nach der Geburt erneut besamt, um den Milchfluss nicht zu unterbrechen.

Die Lebenserwartung von Kühen ist ursprünglich 20 Jahre, doch in der Milchindustrie sind sie schon nach fünf Jahren so schwach, dass sie geschlachtet werden.

Zudem ist erschreckend, wieviel Platz der Gewinn von Tierprodukten braucht.

“Etwa die Hälfte der bewohnbaren Fläche der Erde wird für die Landwirtschaft genutzt. Rund 80 Prozent dieser landwirtschaftlichen Fläche, eine Fläche so groß wie Nord- und Südamerika zusammen, wird für die Erzeugung tierischer Produkte beansprucht (…)” (proveg.org – Landnutzung: der hohe Flächenbedarf der tierischen Landwirtschaft)

Außerdem sind viele Veganer*innen nicht nur der Überzeugung, dass Massentierhaltung unbedingt gestoppt werden muss, sie verfolgen außerdem den ethischen Grundsatz, dass es keinem Tier (Mensch inklusive) zusteht, andere Tiere zu halten und sie auf jegliche Weise zu nutzen.

Wie bei jeder Ernährungsform gibt es auch beim Veganismus ernährungstechnische Schwierigkeiten und sogenannte „kritische Nährstoffe“, welche nicht unbedingt auf natürliche Weise ausreichend eingenommen werden können. Beispielsweise können mangelnde Kalzium- und Vitamin-D-Werte zu einer Abnahme der Knochendichte führen, wodurch diese instabil werden und leichter brechen können. Deshalb nehmen viele Veganer*innen Nahrungsergänzungsmittel, um sicherzugehen, dass ihr Bedarf gedeckt ist.

Das betrifft jedoch nicht nur Veganer*innen:

60 Prozent der Deutschen weisen ein Vitamin-D-Defizit auf und 34 Prozent junger Menschen mangelt es an Vitamin B12.

Der Irrglaube, Veganismus wäre deshalb unnatürlich, weil man Supplements nehmen muss, bezieht sich also nicht ausschließlich auf diese Ernährungsform.

Bei Kindern ist es besonders schwierig, eine vegane Ernährung gesund zu gestalten. Es ist umstritten, ob die besonderen Bedürfnisse während der Wachstumsphase mit pflanzlichen Quellen ausreichend befriedigt werden können.

Allerdings zeigt eine DGE-Studie aus 2020, dass vegane Kinder vier- bis zehnmal mehr Nüsse, drei- bis siebenmal mehr Hülsenfrüchte und doppelt so viele Ballaststoffe zu sich nehmen als nicht-vegane Kinder.

Kommen wir damit zu den Vorteilen.

Vegane Ernährung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel aus, es werden weniger ungesunde Fettsäuren und kein Cholesterin verzehrt und viele Ballaststoffe senken das Risiko für Bluthochdruck/Diabetes.

Veganer*innen zeigen bessere Werte bei Provitamin A, Vitamin E, Vitamin B1, Vitamin C, Folsäure, Kalium und Magnesium.

Konsum von – besonders rotem – Fleisch hat gesundheitliche Nachteile (Harvard-Studie 2012), beispielsweise erhöht er das Krebsrisiko beziehungsweise erhöht die Anzahl der möglichen Krebsarten.

Laut Daily Vegan spart eine vegane Person pro Jahr im Durschnitt:

  • 3276 kg CO2
  • 1008 m2 Wald
  • 1499004 Liter Wasser
  • 6516 kg Getreide

+ verschont 360 Tierleben

Disclaimer!

Menschen mit Essenseinschränkungen (z. B. ausgeprägte Zöliakie) und Menschen mit einer Vorgeschichte mit Essstörungen sollten sich besonders vorsichtig dem Veganismus nähern – wenn überhaupt.

Wie geht man also vor, um sich ausgewogen, gesund UND vegan zu ernähren?

Im Folgenden habe ich die sogenannten „kritischen Nährstoffe“ einmal aufgelistet und vegane Lebensmittel hinzugefügt, welche diese enthalten.

Achtung: Dabei ist die vorhandene Menge pro mg manchmal sehr gering oder abhängig vom Anbaugebiet.

B12: Sauerkraut, Shiitake, Nori Algen, fermentierter Soja, Wurzel- und Knollengemüse

B2: Mandeln, Champignons, Soja & Hafer Milch, Spinat, Vollkornbrot, Kürbiskerne, rote Paprika, Linsen, Hummus, Nüsse, Brokkoli

Vitamin D: Pilze, Margarine, Avocado

+ wird am meisten durch Sonne in die Haut aufgenommen!

Omega 3: Grünkohl, Sojabohnen, Hanfsamen, Nüsse, Chiasamen, Rosenkohl, Feldsalat, Leinsamen

Kalzium: grünes Gemüse, Nüsse, Vollkorn, Quinoa, Kichererbsen, weiße Bohnen, getrocknete Feigen, Sojaprodukte, kalziumreiches Wasser, Grünkohl, Pak Choi, Chinakohl, Rucola, Brokkoli, Sesam, Chiasamen, Mohnsamen, Leinsamen, Mandeln, Tofu

Eisen: Kürbiskerne, Pinienkerne, Spinat, Quinoa, Rucola, Aprikosen, Kakaopulver, Weizenkleie, Thymian, Sesam, Kichererbsen. Bohnen

Zink: Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse, Erbsen, Blattspinat, Linsen, Brokkoli, Buchweizen, Hirse, Mais

Selen: Brokkoli, Weißkohl, Pilze, Spargel, 2 Paranüsse pro Tag, Öl samen, Nüsse, Hülsenfrüchte

Jod: Nori-Algen, Wakame

Wir stellen fest: Nüsse, Kerne und Samen enthalten viele dieser „kritischen Nährstoffe“. Wie es der Zufall will, sind sie ein perfekter Snack für zwischendurch und leicht transportierbar. Merken wir uns das fürs nächste Mal, wenn wir überlegen, was man gut bei der Arbeit oder in der Schule knabbern kann.

Der Bedarf dieser Nährstoffe ist stark abhängig vom BMI (Verhältnis von Körpergewicht und Größe), dem Geschlecht und individuelle Situation (bsw. Menstruation, Schwangerschaft), deshalb möchte ich keine allgemeinen Angaben machen. Für genaue Zahlen können Veganismus Apps sinnvoll sein. Dort gibt man seine körperlichen Daten an und bekommt im Gegenzug gesagt, welche Mengen man an den verschiedenen Nährstoffen pro Tag decken muss. Zusätzlich kann man Unterstützung bekommen bei der Prüfung der tatsächlichen Inhalte von eingekauften Produkten und einige Apps können sogar individuell angepasste Rezepte vorschlagen.

All diese genannten Lebensmittel kann man wild miteinander kombinieren. Ob in der Bowl, im Ofen, in der Pfanne oder einer Suppe – mein großer Tipp ist es, einfach auszuprobieren, irgendwas wird man schon finden, das gut schmeckt.

Quellen:
gesundheit.gv.at
“Wie der Fleischkonsum unsere Psyche krank machen kann” – Vegan Vriend, https://veganvriend.de/fleischkonsum-und-die-psyche/
proveg.org – Landnutzung: der hohe Flächenbedarf der tierischen Landwirtschaft

 

Autorin: Juliane Stueben

Ein youNEWS-Beitrag von

youpod ist das Düsseldorfer Jugendportal – also eine Internetseite extra für dich. Du findest hier aktuelle News aus allen Bereichen deiner Stadt. Es gibt coole Events im Jugend-Kalender, tolle Orte im Jugend-Stadtplan und Hilfe, Tipps und Tricks, die dich im Leben weiterbringen. Die Infos über deine Stadt sind multimedial.
Veröffentlicht am 17. März 2026
Schlagworte & Kategorien:

Mitmachen bei youpod

youpod.de lebt von Menschen wie dir. Sammel journalistische Erfahrung, teile deine Perspektive und veröffentliche deine Artikel auf youpod.de.