ESC-Countdown: Düsseldorfer mit Wurzeln in den ESC-Teilnehmerländern im Interview! Lunatik/Schildkröte/Bunter Fleck/Sop-Rana/Lila Dorn hat Wurzeln in Russland. Mit ihren Antworten auf unsere Interviewfragen zeigt sie, wie sehr sie Rätsel liebt.


Wie lange wohnst du schon in Düsseldorf?

Seit vier Jahren habe mich meinem Schicksal gefügt. Und hart daran gearbeitet, um in die Stadt mit der schönsten Rheinpromenade einzuziehen. Die bestandene Eignungsprüfung in RSH für meinen Studiengang gehört zu den glücklichsten Momenten meines Lebens. Den Studiengang gibt es nämlich in der Form nur einmal in ganz Deutschland, und ratet mal, wo? Ziele vorstrecken und darauf los arbeiten, alle Wünsche werden wahr, besonders meine, wiederholen, glaube an dich, wiederholen von vorne. Düsseldorf gab’s dann gratis dazu. Mit der Bahnüberfüllung während Messezeiten und nächtlichen Spaziergängen quer durch die Stadt, da dieselbe Bahn immer anders will als man selbst und es außerdem gut ist, um nüchtern zu Hause nach der Feierlichkeit in der Altstadt anzukommen und sich seiner spontanen Entschlüsse zu besinnen. Amen.

Welche Beziehung hast du zu deinem Herkunftsland? Und welche zu Düsseldorf?

Ich hätte schon gerne eine engere Beziehung zu meinem Sibirien und meinem Vater gehabt, der jetzt eine neue Familie und eine frischgeborene Tochter hat, die irgendwie vom Alter auch meine Tochter sein könnte. Die sich hoffentlich auf die vollständige Familie freuen kann, die ich so nicht hatte. Aber – o weh! Der russische Pass gehört in die Träumeschublade, und jedes mal 60 Euro für ein Visum zusätzlich zum Ticket zu bezahlen und dann bei den korrupten Miliz die korrekte Strafe für sich nicht bei der Stadt melden als eine potenzielle Problemstelle-Ausländer auszulegen, Moment mal, ach nee, dachte das kommt mir irgendwie bekannt vor, nein, habe mich geirrt … Also, kurz gefasst, der Spaß ist mit Vorsicht und gut portioniert zu genießen. Im schönsten Falle, wenn man es eh als ein Abenteuer betrachtet und hin mit drei echten Deutschen – echten Freunden – fährt, um Wunder zu sehen. Düsseldorf liebe ich wegen zufälligen Begegnungen, die das Leben verändern können. Und dann sieht man sich um und es scheint, als ob man sein ganzes Leben darauf hin losgelaufen wäre. Als ob es solche Veränderungen wären, die aus Frust von gebrochenen Knöcheln sich in eine kreative Richtung strömen würden, da es etwas ist, was dem Körper fehlt und es sehnsüchtig macht, du denkst was, was könnte es sein, was ist los mit mir? Wer weiß, vielleicht war es einfach die Mangel an der Sportaktivität, die einen zu einem provisorischen spontanen Vokalistinnencasting schiebt und sich als echte Leidenschaft zu und mit Spiderpigs entpuppt. Und wenn der Knochen nicht mehr gebrochen ist, hat man vielleicht sein Leben schon wieder auf die Reihe gekriegt und lacht in seinen Schnurrbart über die alten Zeiten, wo jetzt alles so schmerzhaft romantisch und unsterblich füreinander bestimmt erscheint.

Bist du Fan vom Eurovision Song Contest?

Klar. Die Show am besten mit Mama auf der Couch schauen. Waaas, im Stadion selbst, wo es schon mal zu mir in die Heimstadt kommt? Aber so kann man doch nicht die Lautstärke mit der Fernbedienung regeln! Nein danke! So nicht! Was habe ich gesagt, ich nehme alles zurück wenn Sie für mich ein paar Eintrittskarten organisieren könnten … Nur eine? Ja, nehme ich! Oh, wie schön, hier geht‘s direkt hinter die Bühne in den Backstage-Bereich! Selbstständig die Punkte und Prangerpunkte vergeben … Pass auf mit Kommentaren, Raab, die anderen sind doch schon Profis! Dieses Outfit ist ein Verbrechen! Mädchen, die Schuhe bringen dich doch um! Gewinnt entweder der Stärkste oder Ungerechtigkeit. Wenn mein Fanfieber bloß helfen könnte …

Bist du selbst musikalisch?

Jeder hat ein Recht darauf sich für musikalisch zu halten. Oder sogar genial! Allerdings seit ich in einer Acht-Mann-WG in einem Studentenwohnheim die süßen Qualen ertrage, frage ich mich dieselbe Frage das zweite Mal im Bezug auf total harmlos aussehende Mitbewohner, die nicht nur in der Dusche, sondern auch nachts um fünf sich für wahre Freddy Mercury oder Boris Grebenschikow halten und es mit nichts aufzuhalten ist. Man ist ja aufgrund Menschenfreundlichkeit und Mitbewohnerhöflichkeit immer nett und möchte keine weiteren Konflikte wegen des vergessenen Topfs mit weich gekochten Socken zum sicheren Bakterien töten auf dem Herd oder des grausam verstorbenen Staubsaugers, an dem erst die Obduktion feststellen konnte, dass jemand den ganzen Teppich in kleine Stückchen gerissen hatte und ihn an das Saugetier verfüttert hat, immer wieder, immer wieder, bis der Magen platzte! Also, man möchte die normalen Alltagsprobleme nicht unbedingt dazu einmischen, aber muss ich denn immer noch als ein einziger Zuschauer immer zuhören, laut klatschen, drei Runden vor Begeisterung in unserer kleinen Küche rennen und dann oben ohne die Zugabe rufen? Kommt mir manchmal schon als eine Hauptbeschäftigung vor … Wenn das nicht wäre, ach, wie schön könnte man eine eigene Band haben, sowas wie Rock ‘n’ Roll spielen, auf der Bühne die Hüften schwingen, schwarzen Hut und kurzen Rock tragen und zehn Autogramme nach jedem Konzert unterschreiben?

www.spiderpigs.de

Was machen Russen in Düsseldorf?

Diese Russen. Haben ein russisches Geschäft voller Lebensmittel, was platzen könnte, so voll ist es! Und wenn es endlich geplatzt ist, dann wird es einen Schnee, Regen, Hagel aus russischer Mayonnaise, Sauergurken und Vogelmilch in Reisholz geben. Schade nur, dass es bis zu meiner Wohnungstür in Golzheim nicht ausreichen wird. Mist. Was machst du in deiner Freizeit? Bis du in einem Verein? Die Welt ist so gefährlich. Wovor, glaubt ihr, sich wohl ein kleines blondes Mädchen auf der Straße am meisten fürchtet? Genau, dass das Glück höchstpersönlich auf einen mit der großen Geschwindigkeit zutrifft, einen umarmt und nie wieder loslässt. Dass man sich darauf einlässt. Und falls man es sich doch anders überlegt hat, macht man Taekwondo bei dem Hochschulsport und kann es für sich selbst entscheiden, wer in sein Leben eintreten darf und wer sich lieber fern halten solle.

Was ist dein Lieblingsessen aus deinem Ursprungsland und aus Düsseldorf?

Wareniki s klubnikoj, also Teigtaschen mit Erdbeeren aus Russland und Sushi aus Düsseldorf. Was, sagt ihr, aus Japan? Aber in Düsseldorf ist doch die größte japanische Gemeinde Deutschlands! Was für ein Glück für die Rohfischliebhaber.

Willst du in fünf Jahren immer noch in Düsseldorf wohnen?

Die fünf Jahre scheinen als eine unvorstellbare und unerreichbare Zukunft mit dem entdeckten Leben auf dem Mars und der selbst in Deutschland zugelassenen Klongenetik. Ich als kleiner Teil des Universums wünsche mir ein freies Teilchen zu sein, was überall hin vom Wind geweht werden kann. Ok, vielleicht nicht zum Nordpol. Was hat man da schon anders als in Sibirien? Nur noch schlimmer. In meinen alle fünf Jahre wiederkehrenden Zukunftsträumen sehe ich mich jedes Mal fertig mit dem Studium und bei der Beschäftigung, die mir absolut Spaß macht und mich dazu anspornt, was Neues zu lernen und mich für andere Kulturen zu begeistern. Düsseldorf und Heimatsland sind eigentlich schon durch. Aber ein Narr ist derjenige, der nicht an Schicksal glaubt. Sudba, sagen die alten faltigen russischen Omas, so genannte Baba Yagas, und weisen mit dem gekrümmten Zeigefinger in eine unbestimmte Richtung. Schicksal, Junge. Oder Nje sudba, wenn es doch nicht klappt. Lass dich vom Leben überraschen. Momentan träume ich von der französischen Grenze aus der Sicht der Schneckenfresser.

Was heißt "Ich liebe Düsseldorf" in deiner Muttersprache?

Die Frage ist als provokativ gedacht, kein Zweifel. Was ist, wenn ich das Interview meinen Freunden aus Köln zeigen möchte? Könnte man es nicht irgendwie demokratischer gestalten? Oder als kleine Entschärfung des im Kerne reifenden Konfliktes ein klitzekleines Wort einfügen? Nehmen wir zum Beispiel einen schönen Weichmacher, das Wort VIELLEICHT, in direkter Übersetzung als KANN SEIN möglich. Auf Russisch! (Ohne einen einzigen RRR, tut mir leid für die unübertreffende Enttäuschung, das rrrollende Rrr kann man an was anderem besser üben.) Also, vielleicht – mozhet buit.

Ein Quiz zu der russischen Zeichensetzung, bekannt unter dem Märchennamen "Kaznit nelzya pomilowat": Vielleicht liebe ich Düsseldorf – mozhet buit ja ljublju Düsseldorf.

Erweiterbare Variationen wären:

Mozhet buit JA ljublju Düsseldorf – Vielleicht ausgerechnet ICH liebe Düsseldorf, na und? Was für eine Tat hat derjenige verbrochen?

Ja ljublju mozhet buit Düsseldorf – Ich liebe vielleicht Düsseldorf, vielleicht aber Köln noch mehr? Ich kann mich nicht entscheiden, muss ich das echt jetzt tun?

Ja ljublju Düsseldorf? mozhet buit… Hat jemand behauptet, dass ich Düsseldorf liebe? Kann sein, aber vorher muss ich die Lage noch eindeutiger checken und am besten nichts ohne meinen Anwalt sagen.

Ja, mozhet buit, ljublju Düsseldorf – Kann sein, dass ich Düsseldorf liebe, das müsst ihr mir aber noch beweisen. Kann auch sein, dass ich Düsseldorf hasse. Aber aus meinen Augenzwinkern und aus Herzenspein – ja, verdammt nochmal, in Wirklichkeit liebe ich Düsseldorf und kann darauf richtig stolz sein!

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Im Song-Contest-Countdown bei Youpod kommen bis zum 14. Mai 2011 jeden Tag Düsseldorfer zu Wort, die Wurzeln in den ESC-Teilnehmerländern haben. Alle Interviews findest du hier.

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Veröffentlicht am 11. Mai 2011
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