Klassische Musik ist nichts für Jugendliche? Quatsch. Die Düsseldorfer Tonhalle beweist, dass der Zugang nicht sehr schwer ist – Star Wars half dabei. Außerdem gab es für die Stadt ein Geburtstagsgeschenk.
Eigentlich wollte Ben gar nicht kommen. Klassische Musik hatte er bisher noch nicht auf seinem iPod. Ben steht mehr auf amerikanischen Rap. Doch nun findet sich der 14-Jährige in einer altehrwürdigen Halle wieder, um ihn herum dunkle Wände, ein großer Kronleuchter. Seine Freundin hat ihn mit in die Tonhalle genommen. Sie besucht eine der Schulen, die hier heute gemeinsam mit den Düsseldorfer Symphonikern das Programm gestalten durften.
"3-2-1 IGNITION" nennt sich das Konzertformat der Düsseldorfer Tonhalle, das bereits im sechsten Jahr stattfindet. Das Konzept ist immer dasselbe: Die Düsseldorfer Symphoniker spielen live einige Stücke klassischer Musik, manchmal auch Filmmusik. Über ihren Köpfen thront eine Leinwand, die passend zur Musik eine jugendliche Interpretation der Klänge zeigt. Videos, die das Gefühl der Musik in Bilder übersetzen sollen.
Schüler erarbeiteten Videos
Ben lässt sich in einen der dunkelblauen Sitze plumpsen. Über ihm die erleuchtete Kuppel der Tonhalle, vor ihm die Bühne, auf der gleich die Symphoniker spielen werden. Obwohl er noch nicht genau weiß, was da gleich auf ihn zukommt, ist er gespannt: "Das ist schon ein bisschen aufregend, hier sieht alles so edel aus", erzählt Ben.
Ein paar Sitze weiter sitzt die 13-jährige Flora gemeinsam mit ihren Mitschülern und wartet ebenso gespannt auf den Beginn der Veranstaltung wie Ben. Flora besucht die Dumont-Lindemann-Schule in Friedrichstadt, eine der Schulen, die den heutigen Abend mitgestaltet haben. Auch Flora hat mitgearbeitet: "Wir haben Arbeitsblätter mit Sehenswürdigkeiten bekommen, zu denen sollten wir uns dann etwas überlegen", erinnert sie sich. "Ich hatte den Fernsehturm." Auch sie mag klassische Musik eigentlich nicht besonders, doch die Arbeit mit den Mitarbeitern der Tonhalle hat ihr gut gefallen: "Alles, was wir heute sehen können, haben wir Schüler uns ausgedacht, die Lehrer haben sich nicht eingemischt. Wir durften machen, was wir wollten, nichts war verboten", schwärmt die Schülerin.
Oberbürgermeister Elbers nimmt Geschenk entgegen
Inzwischen ist es dunkel geworden in der Tonhalle. Die Symphoniker haben ihre Plätze eingenommen. 16 verschiedene Instrumente halten sie in ihren Händen, darunter neben Geigen, Flöten und Trompeten auch ein Schlagzeug und eine Harfe. Das Konzert des Abends ist dem diesjährigen 725. Geburtstag Düsseldorfs gewidmet. Ein Geburtstagskonzert, das unter dem Motto "Großstadtrauschen" seine Heimatstadt feiert. Die ausgewählten Musikstücke haben alle eine Verbindung zur Landeshauptstadt, manche stammen von Kindern der Stadt, wie zum Beispiel die Rheinische Symphonie von Robert Schumann, andere geben das Gefühl einer rauschenden Großstadt wieder, wie die Titelmelodie des Kinofilms "Metropolis".
Um das Geschenk der Tonhalle an die Stadt entgegenzunehmen, war Oberbürgermeister Dirk Elbers gekommen. "Ich bin der Tonhalle sehr dankbar für dieses Geschenk an die Stadt", erklärt der Politiker im Gespräch mit youpod, "und ich finde es wirklich toll, wie viel Mühe sich die Jugendlichen gegeben haben." Auch das Konzept der IGNITION-Reihe findet Anklang bei dem 53-Jährigen: "Durch dieses Konzept werden Schwellen abgebaut, Jugendliche bekommen viel leichter einen Zugang zur klassischen Musik. Ich könnte mir das immer wieder anhören", freut sich Elbers.
Zweite Chance für klassische Musik
Langsam neigt sich der Abend dem Ende zu. Im Eingangsbereich der Tonhalle steht der elfjährige Luis. Auch ihm hat der Abend gut gefallen: "Ich fand das Konzert sehr schön. Besonders gefallen hat mir, dass die Schüler in Workshops die Musik interpretieren konnten und man diese Interpretation dann auf der Leinwand sehen konnte, während das Orchester gespielt hat", sagt Luis. Auch er hört eigentlich andere Musik, findet aber "klassische Musik sehr schön".
Während die Sonne langsam hinter dem Rhein versinkt, ist auch Ben wieder aus der Tonhalle herausgekommen. Für ihn war es ein Abend mit gemischten Gefühlen: "Einige Lieder waren wirklich interessant, die Titelmelodie von Star Wars zum Beispiel. Aber manche Lieder waren auch langweilig", findet Ben. Doch er gibt der klassischen Musik noch eine Chance: "Ich habe heute gemerkt, dass klassische Musik gar nicht so schlimm ist, wie ich immer dachte. Wenn es nochmal so ein Konzert gibt, bin ich wieder dabei!"
Ein youNEWS-Beitrag von
Veröffentlicht am
6. Juni 2013
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