Zwischen Rhein, Apollo-Wiesen und KIT steht seit 2021 ein Denkmal, das vielen Düsseldorfer*innen längst vertraut ist: Vier Figuren aus Bronze, die Fäuste erhoben, Hände zu Victory-Zeichen geformt. Der LSBTIQ+ Erinnerungsort Düsseldorf ist nicht nur ein Mahnmal, sondern auch ein Treffpunkt, ein Ort des Innehaltens – und ein sichtbares Zeichen queerer Geschichte in der Stadt. Mit der jetzt erschienenen Publikation “LSBTIQ+ Erinnerungsort Düsseldorf von Claus Richter” liegt erstmals eine umfassende Dokumentation zur Entstehung dieses Denkmals vor.

Vom Wettbewerb bis zur Einweihung

Das Buch begleitet den gesamten Entstehungsprozess des Werks “Ein seltsam klassisches Denkmal”, das im Oktober 2021 eingeweiht wurde. Ausgehend von einem anonymen, zweiphasigen Wettbewerb, den die Kunstkommission Düsseldorf gemeinsam mit dem LSBTIQ+ Forum auslobte, zeichnet die Publikation nach, wie aus einer Idee ein öffentlicher Erinnerungsort wurde.

Besonders stark ist dabei der visuelle Teil: Über 50 farbige Abbildungen zeigen alle Phasen der Arbeit – von frühen Skizzen und Fotosessions mit den Modellen über Gipsentwürfe, die Arbeit im Atelier, die Wachswerkstatt und die Bronzegießerei bis hin zur Ankunft der Figuren auf den Rheinwiesen. Wer sich für Kunstprozesse interessiert, bekommt hier einen seltenen, detaillierten Einblick.

Erinnerung als demokratischer Prozess

Ein zentrales Anliegen der Publikation ist es, Kunst im öffentlichen Raum nicht nur als fertiges Objekt zu zeigen, sondern als demokratischen Aushandlungsprozess. In einem Editorial beschreibt die Kunstkommission das Buch explizit als Beitrag zur Vermittlung: Wer entscheidet eigentlich über öffentliche Kunst? Wer wird gehört? Und wie entstehen Orte, die für viele Menschen Bedeutung haben?

Dazu kommen Interviews mit zahlreichen Beteiligten, darunter Vertreter*innen aus Politik, Erinnerungskultur, Verwaltung und Kunst – etwa aus dem LSBTIQ+ Forum, der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Kunstkommission sowie mit Oberbürgermeister Stephan Keller und dem Künstler selbst.

“Es geht um die Kraft der Gemeinschaft”

Claus Richter, der das Denkmal entworfen hat, beschreibt sein Werk als Symbol für Zusammenhalt. Die vier Figuren stehen stellvertretend für die Vielfalt queerer Lebensrealitäten – nicht als einzelne Held*innen, sondern als Gruppe. Die Anlehnung an klassische Monumente ist bewusst gewählt, wird hier aber umgedeutet: Statt nationaler Größe geht es um Solidarität, Widerstand und Sichtbarkeit.

Gleichzeitig bleibt das Denkmal offen: nicht abgeschlossen, nicht museal, sondern Teil des Alltags. Dass sich der Ort seit seiner Einweihung zu einem lebendigen Treffpunkt der queeren Community entwickelt hat, wird im Buch mehrfach betont.

Starke Bilder, wenig Stimmen aus der Community?

So sorgfältig und hochwertig die Dokumentation ist, bleibt dennoch ein Spannungsfeld: Obwohl der Erinnerungsort maßgeblich aus der queeren Community heraus initiiert wurde, kommen im Buch selbst vergleichsweise wenige persönliche Stimmen aus dieser Community zu Wort. Der Fokus liegt stärker auf institutionellen Perspektiven, Verwaltung und politischer Begleitung.

Das schmälert nicht den dokumentarischen Wert der Publikation, macht aber deutlich, dass Erinnerungskultur immer auch eine Frage von Perspektiven ist – und dass künftige Veröffentlichungen hier vielleicht noch stärker subjektive Erfahrungen einbinden könnten.

Buchbestellung

Die Publikation ist beim DISTANZ Verlag erschienen, zweisprachig (Deutsch/Englisch) angelegt und als erste Ausgabe einer neuen Reihe der Kunstkommission Düsseldorf konzipiert. Sie richtet sich an alle, die sich für Kunst im öffentlichen Raum, queere Geschichte und die Frage interessieren, wie Erinnerung sichtbar wird.

Das Buch ist über die Geschäftsstelle der Kunstkommission Düsseldorf erhältlich. Weitere Informationen gibt es auf
www.kunstkommission-duesseldorf.de.

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Veröffentlicht am 22. Januar 2026
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